Ein Fest bei Freunden - Eckartsweier zur Besuch in Jerking

21.08.2018 10:27

- Die Eckartsweierer Tanzgruppe auf dem Maiplatz -

- Gruppenbild vor der evangelischen Kirche -

- Weinprobe im Kellerdorf unter Nußbäumen -

- Ehrengaben und Gastgeschenke (von links: Vorsitzende des Traditionsvereins Elizabeth Krausz, Bürgermeister Zoltan Braun, Ortsvorsteher Erich Nagel und Bürgermeisterstellvertreterin Elvira Walter-Schmidt -

- Im Weinkeller war es wunderbar kühl… -

Bereits im vergangenen Jahr konnten der Willstätter Ortsteil Eckartsweier und das ungarische Dorf Jerking den 20. Geburtstag ihrer Partnerschaft feiern. Eine ungarische Delegation war damals zu Gast bei der großen 700-Jahr-Feier in Eckartsweier.

In diesem Jahr hatten die Jerkinger eingeladen. Sie feierten im August die 300ste Wiederkehr der deutschsprachigen Besiedelung ihres Dorfes, das auf Ungarisch Györköny genannt wird. Diese Besiedelung war eine Erfolgsgeschichte: Wein und Getreide wurden auf den reichen Böden angebaut, sie überdauerte sogar die Aussiedlungen 1946, als nach dem Krieg der Anteil der schwäbischen Bevölkerung von 90% auf weniger als die Hälfte reduziert wurde.

So machte sich eine Delegation von 47 Personen aus Eckartsweier unter der Führung von Ortsvorsteher Erich Nagel vom 10. bis 13. August 2018 mit Flugzeug, Bus und Wohnmobilen auf den Weg, um mit den Jerkingern zu feiern und gleichzeitig den Ort und das Brauchtum des Hanauerlandes vorzustellen. Die Eckartsweierer waren überwältigt von der Gastfreundschaft und der Organisation der Festlichkeiten des Dorfes mit knapp 1000 Einwohnern. Sprachschwierigkeiten gab es kaum, dort wird oft und gerne deutsch gesprochen. Höhepunkt war der „Schwabenball“ am Samstagabend, bei dem Groß und Klein im wunderbaren Ambiente auf dem Mai-Platz des Kellerdorfes zu alten und modernen deutschen Schlagern in einer lauen Sommernacht unter freiem Himmel das Tanzbein schwingen konnten – bis in die frühen Morgenstunden.

Überhaupt ist das so genannte Kellerdorf die größte Attraktion des Ortes – und eine Besonderheit für Weinkenner in ganz Ungarn. Dank der Gelände- und Bodengegebenheiten wurden nämlich die für den Weinbau unentbehrlichen Keller fernab von den Reben auf der so genannten Kellerhöhe gegraben und zwar alle beieinander. Heute gibt es noch mehr als 300 Keller mit den darüber stehenden Presshäusern. Die stehen teilweise in Reih und Glied, teilweise malerisch in den Berghang eingefügt. Unter schattenspendenden Nussbäumen können Besucher also von Haus zu Haus gehen und von den jeweiligen Erzeugnissen kosten. Die Keller haben – je nach den finanziellen Möglichkeiten des Eigentümers – verschiedene Größen und Ausbaustufen, vom von Hand aus der Erde gegrabenen 40 Meter langen Gang bis hin zur malerisch gemauerten unterirdischen Rotunde, die die Keller mehrerer Häuser wie in einem Labyrinth miteinander verbindet.

Eckartsweier präsentierte sich im Rahmen einer Ausstellung der örtlichen Vereine und Organisationen und natürlich auch mit Folkloreprogramm. 5 Paare der Eckartsweierer Tanzgruppe ließen es sich trotz der heißen Temperaturen nicht nehmen, verschiedene Tänze in der Eckartsweierer Tracht zu zeigen. Begleitet wurden sie von den ebenfalls aus der Heimat mitgebrachten Musikern.

Nach einem zweisprachigen Gottesdienst in der Dorfkirche waren die Eckarsweierer Gäste mit ihren Gastgebern zu einem gemeinsamen Mittagessen eingeladen. Hierbei übergaben Ortsvorsteher Erich Nagel und Bürgermeisterstellvertreterin Elvira Walter-Schmidt Grüße aus Willstätt und einen Spendenscheck für den Neubau der geplanten Schulturnhalle an den Jerkinger Bürgermeister Zoltan Braun. Auch Altbürgermeisters Arthur Kleinhans und Ex-Ortsvorsteher Helmut Beinert, die vor 20 Jahren die Partnerschaft begründet hatten, waren mit von der Partie.

Die Urkunde wurde damals vom Jerkinger Bürgermeister Mathias Rohn unterschrieben, der die Gäste aus Deutschland am letzten Tag mit auf dem Weg nach Budapest begleitete und die dortigen Sehenswürdigkeiten zeigte – Bei fast 38 Grad Celsius kein leichtes Unterfangen! Nach dem Abschlussessen im Strudelhaus in Budapest, wo man sich bei der Herstellung der traditionellen Spezialität selbst versuchen konnte, hieß es Abschiednehmen, nicht ohne die Hoffnung, dass es schon bald wieder ein Treffen geben möge.