Dauerausstellung zu Johann Michael Moscherosch im Willstätter Rathaus

Hinweisschild zur Ausstellung im Rathaus
Lautenmusik mit Christian Zimmermann.
Gäste der Feierstunde im Bürgersaal der Gemeinde Willstätt.
Begrüßung durch Bürgermeister Marco Steffens.
Dr. Thomas Schmidt, Deutsches Literaturarchiv Marbach
Prof. Dr. Dirk Werle, Universität Heidelberg
Bei der Feierstunde im Bürgersaal gab es Geschenke für die Beteiligten.
Symbolisch wird zur Eröffnung der Moscherosch-Ausstellung ein Band durchschnitten.
Besichtigung der Ausstellung.
Generalwand der Ausstellung.
Besichtigung der Ausstellung.
Gespräche und Empfang nach der Ausstellungseröffnung.
 

Mit einer Feierstunde und im Beisein von rund 60 geladenen Gästen wurde kürzlich die Dauerausstellung zum Leben und zu den Werken des Barockdichters Johann Michael Moscherosch (1601-1669) im Willstätter Rathaus gebührend eröffnet. Die Ausstellung kann während der Öffnungszeiten des Rathauses besichtigt werden.

Es sei ein besonderer Abend, begrüßte Willstätts Bürgermeister Marco Steffens die geladenen Gäste zur Einweihung der Ausstellung über Johann Michael Moscherosch: Willstätts berühmtester Sohn bekomme nun »die Würdigung, die ihm schon lange zusteht«.

Das Gestaltungskonzept erstellte das Büro »Zwo-elf« aus Karlsruhe, das sich auf visuelle Kommunikation und die Gestaltung von Ausstellungen spezialisiert hat. Den wissenschaftlichen Input lieferten das Deutsche Literaturarchiv Marbach, das sich auch zur Hälfte an den Kosten beteiligt, und die Uni Heidelberg. Einige Studenten des Germanistischen Seminars der Uni weilten unter den Gästen.

Ebenfalls nach Willstätt gekommen war Gertraud Schäfer, die Witwe des 2014 verstorbenen Baden-Badener Germanisten Walter E. Schäfer. Ohne dessen Vorarbeiten wäre die Ausstellung nicht denkbar gewesen, betonte Steffens.
Gertraud Schäfer hat der Ausstellung einige wertvolle Buch-Stiftungen als Leihgaben zur Verfügung gestellt. In der Eingangs-Vitrine sind zudem derzeit zwei von Walter Schäfers wissenschaftlichen Werken ausgestellt.

Die Ausstellung widme sich einem jener Dichter, »die man selten oder kaum noch verlegt, die kein Gegenstand der Bildungspläne sind und die auch an den Universitäten nicht allzu oft behandelt werden«, betonte Thomas Schmidt vom Deutschen Literaturarchiv Marbach. Dabei sei Moscherosch eine der wichtigsten Figuren der deutschen Literaturgeschichte – allein schon deshalb, weil er dazu beigetragen
habe, Deutsch als Kultursprache überhaupt erst zu etablieren.

Zudem zähle Moscherosch zu den Wegbereitern der Literaturgattung Roman, betonte Co-Kurator Dirk Werle vom Germanistischen Seminar der Uni Heidelberg. Grimmelshausens »Simplicissimus« sei ohne Moscheroschs Pionierarbeit nicht denkbar. Aus Willstätt nach Europa« ist die Ausstellung überschrieben. Das sei auch durchaus gerechtfertigt, so Werle. Moscherosch sei zwar ein »Sprachpatriot« gewesen, der sich bemüht habe, die deutsche Sprache und Kultur gegen modische Einflüsse aus anderen Sprachen und Kulturen zu verteidigen; zugleich seien aber viele seiner Schriften Übertragungen von Vorbildern aus dem Spanischen, dem Französischen und dem Englischen. Schließlich habe die Ausstellung auch einen Bezug zur Gegenwart, so Thomas Schmidt. Moscherosch war nicht zuletzt Satiriker – und die Ausstellung gehe auch der Frage nach, »wie in Zeiten der Bedrohung und der Verunsicherung Satire entsteht und welche Funktion sie in einer Gesellschaft haben kann«. Die Moscherosch-Ausstellung komprimiert die Informationen auf einer Fläche von nur etwas mehr als zwölf Quadratmetern. Das sei eine anspruchsvolle Aufgabe, so Schmidt, weil kein Detail zufällig sei und alles miteinander zu einem dichten Netz verknüpft ist. Mit der Ausstellung gebe Willstätt Moscherosch den bestmöglichen Ort und einen
neuen Platz im kulturellen Gedächtnis, so Schmidts Resümee. Zudem bekomme Willstätt »auch ein Stück seiner eigenen Geschichte zurück«. Das Literaturland Baden-Württemberg habe mit der Ausstellung »ein Kleinod mehr«.

Begleitet wurde die Feier mit Musik des Freiburger Lautisten Christian Zimmermann. Im Anschluss an die Eröffnung waren alle Gäste zu einem kleinen Umtrunk geladen.

Literarischer Radweg

Per Pedal zur Poesie

Die literarischen Radwege sollen - zumeist orientiert an bereits erschlossenen Routen - die Landkarte Baden-Württembergs auf neue Weise erfahrbar machen. Entworfen als Tagestouren, jedoch ebenso integrierbar in längere Wanderungen, führen sie entlang der unzähligen Literaturmuseen und -gedenkstätten des Landes, berühren aber auch Handlungsorte von literarischen Texten und wichtige Schauplätze der südwestdeutschen Literaturgeschichte. Für das Projekt "Per Pedal zur Poesie" wurde die Arbeitsstelle für literarische Museen, Archive und Gedenkstätten in Baden-Württemberg als "Ausgewählter Ort 2010" im Wettbewerb "365 Orte im Land der Ideen" ausgezeichnet. Unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Horst Köhler rückt der Wettbewerb Orte in den Mittelpunkt, die außergewöhnliche Ideen repräsentieren und die Zukunft Deutschlands aktiv gestalten.

Radweg 11

Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausen, Johann Michael Moscherosch, Bertolt Brecht, August Ganther, Max Uebelhör ... Oberkirch, Gaisbach, Renchen, Willstätt, Oberkirch

Für Karten, Wegbeschreibung, gpx-Daten und weitere Infos:

http://www.literaturland-bw.de/radwege/11/

Johann Michael Moscherosch

Johann Michael Moscherosch wurde am 7. März 1601 m Willstätt geboren. Er war der erste Sohn des im Ort ansässigen Kirchenschaffners Michael Moscherosch. Willstätt gehörte damals zur Herrschaft Hanau-Lichtenberg. Hier war der Sitz des Amtmanns für ein Dutzend Dörfer im heute noch so genannten Hanauerland.

Über die Kindheit Moscheroschs, die er in Willstätt verbrachte, ist wenig überliefert. Als 11-jähriger ging er an das Gymnasium nach Straßburg und war danach Student an der Straßburger Universität. Später trat er in den Verwaltungsdienst ein. Er stand in Diensten verschiedener adliger Herren als Hofmeister, Amtmann, Kriegs- und Kirchenrat.

In der literarischen Welt hat Moscherosch seinen Geburtsort in verspielter und verrätselnder Umstellung der Buchstaben als "Sittewald" bekannt gemacht. Seine literarische Arbeit war zeitkritisch. Das wohl bekannteste seiner satirischen, politischen und pädagogischen Werken ist die "Gesichte Philanders von Sittewald". Aus diesen "Gesichten" sind "A' la mode Kehraus" und "Soldatenleben" die bekanntesten Werke. Moscherosch, zu seiner Zeit bekannter als Grimmelshausen, zählt zu  den erfolgreichsten    Barockautoren.  Der berühmte  Bürgersohn   Willstätts verstarb  nach    einem   bewegten    Leben  am  04.04.1669 auf einer Reise in Worms.

Text: Prof. Walter E. Schäfer, Baden-Baden